Beißender Gestank und hitzige Wortgefechte: Neustädter See in Magdeburg kämpft gegen Müll
Eine Allianz aus engagierten Bürgern und Mitarbeitern des Strandparks haben in einer kurzfristigen Müllsammelaktion Ordnung geschaffen, berichtet die Volksstimme.
Als sich morgens um 10 Uhr die Helfer für die spontan geplante Aktion sammeln, blickt Strandparx-Betreiber Carsten Böhlecke in gut zwanzig Gesichter von Mitarbeitern und engagierten Helfern aus dem Stadtteil. Auf Anregung des Bürgervereins Nord war diese bei der letzten Sitzung der Arbeitsgruppe Gemeinwesenarbeit (GWA) Neustädter See initiiert und binnen zweieinhalb Tagen geplant worden. Dass es so schnell gehen musste, hat einen unerfreulichen Grund. Das Problem, dass der Neustädter See immer wieder vermüllt wird, ist dem Betreiber bekannt. Im letzten Jahr hatte die Stadt zur Entsorgung von Unrat noch Container bereitgestellt. Nachdem diese mehrfach in Brand gesetzt worden waren, verweist die Stadt nun darauf, dass der Eigentümer der Flächen zur Beräumung verpflichtet ist - und zwar mit Nachdruck.
Stadt Magdeburg droht Bußgeld von bis zu 100.000 Euro an
Vor kurzem habe der Betreiber ein Schreiben von der Landeshauptstadt Magdeburg erhalten. „Die Androhung einer Ordnungsverfügung von bis zu 100.000 Euro mit einer Frist von 14 Tagen zur Beräumung oder Stellungnahme“, informiert Carsten Böhlecke. Über das Vorgehen ärgert er sich. „Ich habe keine Zweifel, dass das rechtlich seine Richtigkeit hat. Man kann das natürlich auf diese Art und Weise regeln. Aber ich vermisse eine lösungsorientierte Zusammenarbeit mit der Verwaltung.“ In der GWA-Sitzung hatte der Vereinsvorstand schon die Genehmigung zur Einzäunung des Areals durch die Behörden gefordert. Aus Solidarität mit dem Betreiber und um die hohe Strafzahlung abzuwenden, schlug der Bürgerverein dann kurzerhand die Müllsammelaktion vor. Neben Mitarbeitern des Strandparx Cable Island samt Chef waren demnach zahlreiche Freiwillige dabei, die kräftig mit anpackten.
Gestank fordert starke Nerven bei Magdeburger Helfern
In zwei Stunden suchen die Helfer mit Zangen und Handschuhen jeden Meter nördlich des Erlebnisbads seitlich des Weges nach Müll ab. Es gibt kaum ein Stück, das nicht mit menschlichen Hinterlassenschaften wie Zigarettenstummeln, Plastikpackungen oder Bierdeckeln verschmutzt ist. Exemplarisch für die Situation ist ein großer Müllhaufen am Wegesrand. Da es sich um große Mengen handelt, steht der Schaufelbagger für den Abtransport bereit. Die Entsorgung von Glasflaschen, Verpackungen, Essensresten und mehr erfordert Fassung: Je tiefer die Freiwilligen graben, desto beißender wird der üble Gestank der vor sich hin faulenden Überreste. Einzelne Helferinnen suchen hustend das Weite.
Lautstarke Auseinandersetzung zwischen Freiwilligen und Badenden
Kurz nach Beginn der Sammelaktion wird es für einige Minuten ungemütlich. Als zwei Männer am Strand darauf hingewiesen werden, dass sie sich auf Privatgelände befinden, entbrennt ein Wortgefecht zwischen den Helfern und den Männern. Immer wieder beharren diese lautstark darauf, dass es sich mitnichten um Privatgelände handeln würde, werden dabei ausfallend und beleidigend. Viele der Freiwilligen sind fassungslos und genervt von der Dreistigkeit der Diskutierenden. Einer der Helfer lässt sich gar provozieren und wird beinahe handgreiflich. Letztendlich endet die Meinungsverschiedenheit gewaltfrei, der Badegast packt seine Sachen und verlässt den See. Der Zwischenfall bestärkt die Anwesenden allerdings, dass sich hier etwas ändern muss. „Das ist der Grund, warum wir einen Zaun um das Gelände brauchen“, sind sich im Nachhinein mehrere Helferinnen einig.