Arbeitsgruppen Gemeinwesenarbeit
Seit 1997 sind die Arbeitsgruppen Gemeinwesenarbeit in der Landeshauptstadt Magdeburg an folgendem Verständnis orientiert:
Gemeinwesenarbeit hat das Ziel, die Lebensqualität eines Stadtteiles, insbesondere von benachteiligten Gruppen und Einzelpersonen, durch das Erkennen vorhandener Problemlagen, die Lösung sozialer Probleme und die Anreicherung des Alltagsumfeldes zu verbessern.
Gemeinwesenarbeit zielt darauf ab, Hilfe zum selbstorganisierten Handeln unter Mobilisierung aller notwendigen und verfügbaren materiellen, immateriellen und sozialen Ressourcen durch Mitwirken an kommunalen Willensbildungsprozessen, durch Vernetzungsstrategien die Bewohner eines Stadtteiles zu ermutigen und zu befähigen, ihre Probleme zu erkennen und deren Lösung selbsttätig und öffentlich zu verfolgen und bürgerschaftliches Engagement zu aktivieren.
Gemeinwesenarbeit ist eine Methode und Arbeitsprinzip sozialer Arbeit.
Als Konstrukt für eine lokale und mobilisierende Politik ist von Austauschprozessen zwischen allen Akteuren hinsichtlich ihres sozialen Umfeldes ausgegangen worden.
GWA Neustädter See
Pablo- Neruda- Str. 11
39126 Magdeburg
E-Mail: [email protected]
Sprecherrat: Daniel Nordmann
Chris Scheunchen
Termine der Sitzungen 2026 Neustädter See
28.01.2026
25.03.2026
27.05.2026
22.07.2026
30.09.2026
18.11.2026
GWA Kannenstieg
Eine Postanschrift liegt nicht vor.
E-Mail: [email protected]
Sprecherrat: Lutz Fiedler
Floian Pflugfelder
Termine der Sitzungen 2026 Kannenstieg
18.02.2026
22.04.2026
17.06.2026
16.09.2026
25.11.2026
Die Sitzungen beginnen jeweils um 17.30 Uhr. Die Orte werden noch bekanntgegeben (siehe Rubrik Termine).
Änderungen sind vorbehalten
Sprechzeit GWA Kannenstieg:
jeden 2. und 4. Dienstag im Monat
17.00 - 17.30 Uhr Bürgerhaus Kannenstieg,
J.-R.-Becher-Str. 57 Eingang über den Hof
(tel. Anmeldung bitte unter 0157 52635042 - jeweils einen Tag davor)
Tanja Stach
Stabsstelle 12.03 - Bürgerbeteiligung und strategisches Projektmanagement
Koordinatorin Gemeinwesenarbeit
Julius-Bremer-Straße 8–10
D-39104 Magdeburg
So
07
Jun
2026
Das Kranichhaus ist im Stadtteil Neustädter See eine beliebte Anlaufstelle für die Nachbarschaft. Nun fürchten die Besucher aber dessen Schließung. Dem Betreiber wurde gekündigt.
Der Reporterbus hatte gerade erst seinen Platz auf dem Wochenmarkt eingenommen, da machten Marlies Holland und ihre Mitstreiterinnen bereits ihrem großen Unmut Luft. „Das Kranichhaus soll geschlossen werden“, erklärten sie erbost.
Der Treff ist für sie alle ein wichtiger Anlaufpunkt am Neustädter See. Sein Wegfall wäre ein großer Verlust. Allein in ihrer Gedächtnistraining-Gruppe seien elf Teilnehmer betroffen, berichtete Marlies Holland. Dazu kommen viele weitere Gruppen, die sich regelmäßig in der Einrichtung treffen. Auch der tägliche Mittagstisch würde wegfallen, obwohl dort Menschen wie Steffi Angerer immer eine warme Mahlzeit essen. Es gibt Bingo, Lesungen und andere Veranstaltungen. „Das fällt dann alles weg“, beklagte die Anwohnerin besorgt. Damit seien sie alle nicht einverstanden.
Kündigung zum Jahresende
Was aber war passiert? Die Wohnungsgenossenschaft MWG als Vermieterin habe der Volkssolidarität zum Ende des Jahres gekündigt, berichteten sie. Der Sozialverband betreut die Einrichtung seit vielen Jahren und organisiert den täglichen Betrieb. Damit soll nun aber Schluss sein.
Erst vor einer Woche hätten die Nutzer davon erfahren – und dann sogleich mobil gemacht. „Wir haben schon viele Unterschriften gesammelt“, erzählten die aufgebrachten Damen und zeigten die Liste. Das Aus wollen sie nicht akzeptieren. Dennoch sind sie bereits auf der Suche nach Alternativen, sollte es doch dazu kommen. Der Stadtteiltreff Oase wäre eine Ausweichmöglichkeit. Doch dazu wird es wohl nicht kommen müssen, denn nach Aussage der MWG-Wohnungsgenossenschaft könne von einer Schließung keine Rede sein. „Der Treffpunkt ist seit vielen Jahren ein wichtiger sozialer Ort im Quartier, insbesondere für Seniorinnen und Senioren. Genau deshalb ist es uns wichtig, deutlich zu machen: Der Standort soll nicht als Treff mit seinen vielfältigen Angeboten verloren gehen“, erklärt das Wohnungsunternehmen auf Anfrage der Volksstimme.
Man habe die Räume im Erdgeschoss eines Hochhauses nicht gekündigt, um das Angebot ersatzlos zu beenden. „Es gibt kein Ende des Treffpunkts, sondern eine Weiterentwicklung“, heißt es. Dazu soll es ab Januar 2027 ein eigenes Konzept für den Treffpunkt geben.
„Ziel ist es, das Kranichhaus als offenen, verlässlichen und lebendigen Ort für Begegnung, Unterstützung und gemeinschaftliche Aktivitäten im Stadtteil fortzuführen“, versichert die MWG – nur eben ohne die Volkssolidarität.
Zu der Kündigung erklärt Ben Scheibner, der neue Leiter des Wohnungsmarkts Nord: „Die bisherige Arbeit der Volkssolidarität wissen wir ausdrücklich zu schätzen. Uns ist bewusst, dass viele Menschen mit dem Kranichhaus persönliche Erinnerungen, feste Routinen und vertraute Begegnungen verbinden.“ Deshalb werde man den Übergang „verantwortungsvoll begleiten und rechtzeitig über die weiteren Schritte informieren“.
Bewährte Angebote und bestehende Gruppen sollen bei der Neuausrichtung explizit berücksichtigt werden. Zugleich sollen neue Angebote entwickelt werden, „die noch stärker auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner im Stadtteil Nord ausgerichtet sind“. Dabei könnte es auch neue Partner geben. Für die Nutzer des Kranichhauses dürften sich die Sorgenfalten aber erst einmal verringert haben.
Fr
05
Jun
2026
Am 13. Juni lädt der Bürgerverein Nord zum Stadtteilfest Kannenstieg/Neustädter See ein. Von 14 bis 20 Uhr wird das Geländer des Stadtteiltreffs Oase erneut zum Ort des bunten Geschehens. Für die Mitglieder des Bürgervereins Nord ist es ein besonderes Stadtteilfest – 15 Jahre sind seit der Gründung des Vereins ins Land gezogen und genau so lange trägt der Verein als Organisator mit treuen Partnern die Vorbereitung des Stadtteilfestes. Gemeinsam mit dem Stadtteiltreff, den beiden GWAs und dem Stadtteilmanagement bildete sich ein innerer Kern, welcher bei der Planung und Organisation zusammenwuchs. Dank der finanziellen Unterstützung durch den Initiativfonds und durch Unternehmen wie die SWM, die Wobau, die Stadtfelder und die Otto von Guericke-Genossenschaft ist es dem Verein möglich geworden, zahlreiche Angebote zu realisieren. Darüber hinaus wird das Stadtteilfest von Einrichtungen und Institutionen unterstützt, in dem sie Angebote beim Fest bereitstellen.
Die Besucher dürfen sich auf die Kinderbaustelle und das KJH „Lichtblick“ freuen, das KJZ Don Bosco lädt zum Entenangeln, die Falken locken auf die Rollenrutsche und Friends Events bringen ihr Fußball-Darts und eine Hüpfburg an den Start. Die Freiwilligenagentur lädt zu „alten Spielen“ wie Büchsenwerfen und der Stadtjugendring bietet Postkarten zum Gestalten. Weiter dürfen wir den STRANDPARX begrüßen und mit Bodo Lüddemann und den Texas Outlaws wird es musikalische und tänzerische Leckerbissen geben.
Betreut vom Bürgerverein und Freunden des Vereins werden zwei weitere Hüpfburgen auf die kleinen Gäste warten, eine Rennbahn, XXL-Bälle, ein Bubble House und kleine Spiele von Yaccalo bis 4-gewinnt runden die Aktionsangebote ab.
Leinwände und Tassen können am Kreativstand gestaltet werden und Lindi-der kleine Lindwurm wird nicht nur seine Runden drehen, auch beim Übergeben der kleinen Preise für die Gewinner des WM- und des Musikquiz wird er in Erscheinung treten. Alle beteiligten Akteure freuen sich auf einen bunten Tag und wünschen ihnen und euch schon jetzt viel Spaß beim Stadtteilfest.
Anmerkung: Zwischen 10 und 12 Uhr werden die Aufbauarbeiten stattfinden. Über ein paar tatkräftige Helfer würden wir uns sehr freuen!
Fr
05
Jun
2026
In der letzten GWA-Sitzung und beim Besuch des Reporterbusses der Volksstimme war die Aufregung groß: Das Kranichhaus soll zum Ende des Jahres schließen. Nach Gesprächen mit Vertretern der MWG wurde die Kündigung der Volkssolidarität zum 31.12.2026 bestätigt. Der beliebte Treff im Schrotebogen wird jedoch nicht schließen, sondern für die Bewohnerinnen und Bewohner erhalten bleiben. Kevin Lüdemann, Geschäftsführer des MWG-Nachbarschaftsvereins bestätigte im Gespräch mit dem Stadtteilmanager, die Neuausrichtung des Treffs ab 2027. Bis dahin werden auch Gespräche mit allen ansässigen Gruppen geführt, um eine Weiterführung zu gewährleisten. Ob ein neuer Träger präsentiert wird oder der Nachbarschaftsverein den Treff in Eigenregie übernimmt, stehe zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Die Gespräche in diese Richtung werden in den kommenden Monaten geführt. Für den Moment ist jedoch eine Aussage klar: Der Treff wird weiterbestehen!
Fr
08
Mai
2026
Im Norden von Magdeburg könnte am Neustädter See ein neues Hochhausquartier entstehen. Das Projekt „10|16 Nord“ will modernes Wohnen, soziale Angebote und naturnahe Freiräume miteinander verbinden. Architekt Wolfgang Sattler und Ideengeber Carsten Böhlecke haben sich nun einer Reihe von Fragen unter anderem zum Verkehr, dem Grün, den Baumaterialien und den Wohnungsangeboten gestellt.
Das Projekt „10|16 Nord“ befindet sich noch in einer frühen Planungsphase, wie während der Sitzung des Bauausschusses des Magdeburger Stadtrats zu erfahren war. Viele Details – etwa zur Finanzierung, zur Nutzung im Detail oder zur Ausgestaltung einzelner Bauteile – sind noch offen. Erst wenn der für den 21. Mai geplante Beschluss durch den Stadtrat gefasst wird, könne die Werbung um einen oder mehrere Investoren intensiviert werden.
Das geplante Ensemble greift die bestehende Bebauung im Umfeld auf. „Aus dem städtebaulichen Kontext der hier vorherrschenden 10- und 16-geschossigen Typenbauten entwickelten wir die Kubatur“, erläuterte Wolfgang Sattler. Vorgesehen sind zwei Türme auf einem zweigeschossigen Sockel. Der Sockel soll verschiedene Nutzungen bündeln: Angebote aus den Bereichen Pflege, Gesundheit, Gastronomie sowie Arbeits- und Schulungsräume. Ein zentraler Wintergarten ist als Treffpunkt für die Bewohner geplant. Das Konzept setzt auf unterschiedliche Wohnangebote. Geplant sind unter anderem betreutes Wohnen, klassische Apartments und ein Hostel. Ziel sei es, „ein Angebot für viele Generationen zu schaffen“, so Carsten Böhlecke. Wie sich die Bewohnerstruktur konkret entwickeln wird, ist noch offen. „Wahrscheinlich wird es eine Mischung aus Miete und Eigentum“, sagte Wolfgang Sattler. Dies hänge jedoch von möglichen Investoren ab.
Um die Baukosten zu begrenzen, ist eine modulare Bauweise vorgesehen. Nach Angaben von Wolfgang Sattler laufen dazu Gespräche mit dem Unternehmen Goldbeck. Beim Thema Holzbau zeigte sich Wolfgang Sattler zurückhaltend. „Ein Sockelgebäude wäre denkbar als Holzbau. Beim Hochhaus eher nicht“, erklärte der Architekt. Gründe seien fehlende regionale Erfahrung und höhere Kosten. Einzelne Holzanteile seien jedoch möglich.
Bei dem Gelände handelt es sich um einen Schuttabladeplatz, der sich nördlich der Wendeschleife der Straßenbahn befindet und der in den vergangenen Jahren überwuchert wurde. Aus Sicht der Planer kann das Projekt zu ökologisch sehr viel wertvolleren Anlagen führen. „Qualitativ wird es eine Aufwertung“, sagte Carsten Böhlecke. Geplant sind unter anderem intensive Dachbegrünungen, eine Obstwiese, Gemeinschaftsgärten sowie Aufenthaltsflächen. Auch ein geschützter Demenzgarten ist vorgesehen.
Kritisch hinterfragt wurden im Bauausschuss Ausgleichsmaßnahmen. Die müssten nämlich teilweise außerhalb des Gebiets, etwa in Domersleben, erfolgen. Geschuldet ist dies jedoch dem Umstand, dass in der unmittelbaren Umgebung für den Umfang der geforderten Neupflanzungen gar kein Platz zur Verfügung steht. Ein zentraler Punkt der Debatte war die Zahl der Stellplätze. Diese sind zwar nicht verpflichtend vorgeschrieben, sollen aber dennoch geschaffen werden. „Wir möchten nicht, dass die Umgebung zugeparkt wird“, begründete Wolfgang Sattler. Das geplante Parkhaus soll dabei flexibel bleiben. Es sei so konzipiert, dass es bei sinkendem Bedarf schrittweise zurück gebaut werden könne. Zudem sollen fünf bis zehn Prozent der Stellplätze rollstuhlgerecht sein.
Das Projekt sieht verschiedene Maßnahmen zur Barrierefreiheit vor. Neben entsprechend ausgestatteten Stellplätzen sind barrierearme Zugänge und spezielle Angebote für Menschen mit Einschränkungen geplant. Mit Pflege- und Gesundheitsangeboten sowie gemeinschaftlich nutzbaren Flächen soll das Quartier auch soziale Funktionen übernehmen. Dies würde auch für die Nachbarschaft einen Gewinn bedeuten.
Carsten Böhlecke zeigte sich offen für weitere Festlegungen: „Wir wollen mit Qualität bauen und lassen uns da auch gern darauf festlegen.“ Auch ein städtebaulicher Vertrag sei möglich. Baubeigeordneter Jörg Rehbaum verwies auf die Bedeutung für den Stadtteil: „Viele Menschen vor Ort wollen ja auch eine Entwicklung des Stadtteils.“
Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr empfahl am Ende der Diskussion die Vorlage mit sieben Ja-Stimmen, keiner Gegenstimme und zwei Enthaltungen dem Stadtrat zur Annahme. Im Umweltausschuss gab es vier Ja- und zwei Nein-Stimmen sowie eine Enthaltung.
Mo
27
Apr
2026
Nach Jahren der Untersuchungen ist die Ursache für die schlechte Wasserqualität identifiziert. Doch mit Blick auf die Badesaison wächst der Druck auf die Stadt: Schnelles Handeln ist gefragt.
Noch gut drei Wochen bis zum Start der Sommer-Badesaison. Doch ob das Strandbad am Neustädter See dann öffnen kann, ist weiter unklar. Seit Jahren wird das Gewässer im Norden Magdeburgs untersucht. Nun hat die Stadtverwaltung erstmals zusammengefasst, woher die enorme Phosphatbelastung tatsächlich kommt – und steht damit vor einem Wettlauf gegen die Zeit.
Der Neustädter See zeigt sich derzeit von seiner ruhigen Seite. Das Wasser liegt still, von Blaualgen keine Spur. Dabei hatten genau sie im Sommer 2025 gleich mehrfach zur Schließung des Strandbades geführt. Das eigentliche Problem des Sees lauert jedoch nicht an der Oberfläche – sondern unsichtbar im Untergrund.
Die Stadt Magdeburg hat die Ergebnisse mehrerer Untersuchungen aus dem Jahr 2025 nun gebündelt vorgelegt. Ein Schwerpunkt lag auf der „erweiterten Beprobung der Grundwassermessstellen einschließlich Untersuchungen auf fäkale Belastungen“.
Das Ergebnis ist eindeutig – und zugleich brisant: Der Neustädter See wird weiterhin sowohl durch eine erhebliche interne Nährstoffbelastung als auch durch relevante externe Phosphoreinträge beeinträchtigt. Diese externe Belastung liege vor allem im nordwestlichen Uferbereich sowie im Umfeld der angrenzenden Kleingartenanlagen und der Schrote.
Fachliche Bewertungen bestätigen nach Angaben der Verwaltung, dass der nordwestliche Grundwasserzustrom „als relevante externe Quelle bioverfügbaren Phosphors anzusehen ist“. Genau dort befindet sich eine Kleingartenanlage – mit teils sehr alten Klärgruben.
Badesaison in Gefahr
Dass diese Erkenntnisse nun offiziell von der Stadt kommen, sorgt nicht nur für Erleichterung. Edgar Appenrodt, stellvertretender Vorsitzender des Magdeburger Anglervereins, reagiert verhalten. „An dem Punkt waren wir vor einem Jahr schon“, sagt er. Appenrodt befürchtet, dass bewusst Zeit verstreichen gelassen werde, bis der Neustädter See seine Zulassung als Badesee verliert – so, wie es bereits beim Salbker See geschehen sei. Ähnlich kritisch äußert sich AfD-Stadtrat Ronny Kumpf. Er hakt seit Monaten immer wieder bei der Verwaltung nach. Statt klarer Aussagen gebe es aus seiner Sicht jedoch nur ausweichende Formulierungen. „Ich habe das Gefühl, man möchte auf Zeit spielen“, sagt Kumpf.
Die Gefahr, dass die Badesaison ausfällt, ist real. Im Bildungsausschuss fragte Kumpf nach den nächsten Schritten. Nach Angaben der Verwaltung sollen die Kleingärtner der drei betroffenen Vereine – insgesamt rund 300 Parzellen – angeschrieben und aufgefordert werden, ihre Kläranlagen einer Dichtigkeitsprüfung zu unterziehen. Durch undichte Kläranlagen können Phosphate ins Grundwasser gelangen. „Da reicht schon das Abwaschwasser“, so Kumpf.
Vor Ort zeigt sich jedoch: Solche Schreiben sind bisher offenbar noch nicht verschickt worden. Bei einem Besuch der Volksstimme wollten mehrere Kleingärtner nicht sprechen. Ein Gartenbesitzer äußerte sich dann aber doch.
Die Meinungen seien geteilt, sagt er. Er selbst stehe einer Überprüfung der alten Klärgruben offen gegenüber. „Es ist wichtig, dass die Ursache für die Phosphoreinträge gefunden wird“, betont er. Schließlich wolle auch er, dass seine Kinder weiterhin im Neustädter See baden können. Die Wasserqualität habe sich über Jahre deutlich verschlechtert – das müsse ein Ende haben.
Wirtschaftliche Folgen
Auch für Carsten Böhlecke ist die Situation existenziell. Der Betreiber des Strandparx Cable Island lebt vom See. Mit einem Mähboot und regelmäßiger Pflege versucht er seit Jahren, die Wasserqualität zu verbessern. Dennoch fühle er sich von der Stadtverwaltung häufig außen vorgelassen – etwa bei den regelmäßig stattfindenden Expertenrunden.
Böhlecke ärgert besonders, dass die Verwaltung immer wieder auf erhöhte Enterokokken-Werte als Hauptursache für die temporär schlechte Wasserqualität verweist.
Diese Werte hält auch Edgar Appenrodt für fragwürdig. Im vergangenen Jahr sei zunächst ein hoher Wert gemessen worden – nur drei Tage später sei er plötzlich sehr niedrig gewesen. „So schnell bauen sich Enterokokken nicht ab“, sagt der Biologe.
Für ihn ist klar: Der entscheidende Treiber für die Probleme im Neustädter See sind die Phosphoreinträge über das Grundwasser. Genau das spiegeln auch die Untersuchungsergebnisse wieder. Eine interne Sanierung des Sees – in der Fachsprache „Fällung“ genannt – würde aus Sicht aller Beteiligten keinen nachhaltigen Erfolg bringen. Appenrodt, Böhlecke und Kumpf sind sich einig: Erst müssen die externen Phosphoreinträge wirksam reduziert werden.
Zu diesem Schluss kommt inzwischen auch die Stadtverwaltung. Erst dann könne eine Sanierung auch dauerhaft wirksam sein.
Jetzt bleibt wenig Spielraum. Soll der Neustädter See auch künftig Badesee und Naherholungsgebiet bleiben, muss schnell gehandelt werden. Die Ursache ist bekannt. Nun müsse folgen, was längst überfällig sei.