Das Kranichhaus ist im Stadtteil Neustädter See eine beliebte Anlaufstelle für die Nachbarschaft. Nun fürchten die Besucher aber dessen Schließung. Dem Betreiber wurde gekündigt.
Der Reporterbus hatte gerade erst seinen Platz auf dem Wochenmarkt eingenommen, da machten Marlies Holland und ihre Mitstreiterinnen bereits ihrem großen Unmut Luft. „Das Kranichhaus soll geschlossen werden“, erklärten sie erbost.
Der Treff ist für sie alle ein wichtiger Anlaufpunkt am Neustädter See. Sein Wegfall wäre ein großer Verlust. Allein in ihrer Gedächtnistraining-Gruppe seien elf Teilnehmer betroffen, berichtete Marlies Holland. Dazu kommen viele weitere Gruppen, die sich regelmäßig in der Einrichtung treffen. Auch der tägliche Mittagstisch würde wegfallen, obwohl dort Menschen wie Steffi Angerer immer eine warme Mahlzeit essen. Es gibt Bingo, Lesungen und andere Veranstaltungen. „Das fällt dann alles weg“, beklagte die Anwohnerin besorgt. Damit seien sie alle nicht einverstanden.
Kündigung zum Jahresende
Was aber war passiert? Die Wohnungsgenossenschaft MWG als Vermieterin habe der Volkssolidarität zum Ende des Jahres gekündigt, berichteten sie. Der Sozialverband betreut die Einrichtung seit vielen Jahren und organisiert den täglichen Betrieb. Damit soll nun aber Schluss sein.
Erst vor einer Woche hätten die Nutzer davon erfahren – und dann sogleich mobil gemacht. „Wir haben schon viele Unterschriften gesammelt“, erzählten die aufgebrachten Damen und zeigten die Liste. Das Aus wollen sie nicht akzeptieren. Dennoch sind sie bereits auf der Suche nach Alternativen, sollte es doch dazu kommen. Der Stadtteiltreff Oase wäre eine Ausweichmöglichkeit. Doch dazu wird es wohl nicht kommen müssen, denn nach Aussage der MWG-Wohnungsgenossenschaft könne von einer Schließung keine Rede sein. „Der Treffpunkt ist seit vielen Jahren ein wichtiger sozialer Ort im Quartier, insbesondere für Seniorinnen und Senioren. Genau deshalb ist es uns wichtig, deutlich zu machen: Der Standort soll nicht als Treff mit seinen vielfältigen Angeboten verloren gehen“, erklärt das Wohnungsunternehmen auf Anfrage der Volksstimme.
Man habe die Räume im Erdgeschoss eines Hochhauses nicht gekündigt, um das Angebot ersatzlos zu beenden. „Es gibt kein Ende des Treffpunkts, sondern eine Weiterentwicklung“, heißt es. Dazu soll es ab Januar 2027 ein eigenes Konzept für den Treffpunkt geben.
„Ziel ist es, das Kranichhaus als offenen, verlässlichen und lebendigen Ort für Begegnung, Unterstützung und gemeinschaftliche Aktivitäten im Stadtteil fortzuführen“, versichert die MWG – nur eben ohne die Volkssolidarität.
Zu der Kündigung erklärt Ben Scheibner, der neue Leiter des Wohnungsmarkts Nord: „Die bisherige Arbeit der Volkssolidarität wissen wir ausdrücklich zu schätzen. Uns ist bewusst, dass viele Menschen mit dem Kranichhaus persönliche Erinnerungen, feste Routinen und vertraute Begegnungen verbinden.“ Deshalb werde man den Übergang „verantwortungsvoll begleiten und rechtzeitig über die weiteren Schritte informieren“.
Bewährte Angebote und bestehende Gruppen sollen bei der Neuausrichtung explizit berücksichtigt werden. Zugleich sollen neue Angebote entwickelt werden, „die noch stärker auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner im Stadtteil Nord ausgerichtet sind“. Dabei könnte es auch neue Partner geben. Für die Nutzer des Kranichhauses dürften sich die Sorgenfalten aber erst einmal verringert haben.