Planer werben für Hochhausprojekt

Im Norden von Magdeburg könnte am Neustädter See ein neues Hochhausquartier entstehen. Das Projekt „10|16 Nord“ will modernes Wohnen, soziale Angebote und naturnahe Freiräume miteinander verbinden. Architekt Wolfgang Sattler und Ideengeber Carsten Böhlecke haben sich nun einer Reihe von Fragen unter anderem zum Verkehr, dem Grün, den Baumaterialien und den Wohnungsangeboten gestellt. 

Das Projekt „10|16 Nord“ befindet sich noch in einer frühen Planungsphase, wie während der Sitzung des Bauausschusses des Magdeburger Stadtrats zu erfahren war. Viele Details – etwa zur Finanzierung, zur Nutzung im Detail oder zur Ausgestaltung einzelner Bauteile – sind noch offen. Erst wenn der für den 21. Mai geplante Beschluss durch den Stadtrat gefasst wird, könne die Werbung um einen oder mehrere Investoren intensiviert werden. 

 

Das geplante Ensemble greift die bestehende Bebauung im Umfeld auf. „Aus dem städtebaulichen Kontext der hier vorherrschenden 10- und 16-geschossigen Typenbauten entwickelten wir die Kubatur“, erläuterte Wolfgang Sattler. Vorgesehen sind zwei Türme auf einem zweigeschossigen Sockel. Der Sockel soll verschiedene Nutzungen bündeln: Angebote aus den Bereichen Pflege, Gesundheit, Gastronomie sowie Arbeits- und Schulungsräume. Ein zentraler Wintergarten ist als Treffpunkt für die Bewohner geplant. Das Konzept setzt auf unterschiedliche Wohnangebote. Geplant sind unter anderem betreutes Wohnen, klassische Apartments und ein Hostel. Ziel sei es, „ein Angebot für viele Generationen zu schaffen“, so Carsten Böhlecke. Wie sich die Bewohnerstruktur konkret entwickeln wird, ist noch offen. „Wahrscheinlich wird es eine Mischung aus Miete und Eigentum“, sagte Wolfgang Sattler. Dies hänge jedoch von möglichen Investoren ab. 

 

Um die Baukosten zu begrenzen, ist eine modulare Bauweise vorgesehen. Nach Angaben von Wolfgang Sattler laufen dazu Gespräche mit dem Unternehmen Goldbeck. Beim Thema Holzbau zeigte sich Wolfgang Sattler zurückhaltend. „Ein Sockelgebäude wäre denkbar als Holzbau. Beim Hochhaus eher nicht“, erklärte der Architekt. Gründe seien fehlende regionale Erfahrung und höhere Kosten. Einzelne Holzanteile seien jedoch möglich. 

Bei dem Gelände handelt es sich um einen Schuttabladeplatz, der sich nördlich der Wendeschleife der Straßenbahn befindet und der in den vergangenen Jahren überwuchert wurde. Aus Sicht der Planer kann das Projekt zu ökologisch sehr viel wertvolleren Anlagen führen. „Qualitativ wird es eine Aufwertung“, sagte Carsten Böhlecke. Geplant sind unter anderem intensive Dachbegrünungen, eine Obstwiese, Gemeinschaftsgärten sowie Aufenthaltsflächen. Auch ein geschützter Demenzgarten ist vorgesehen. 

Kritisch hinterfragt wurden im Bauausschuss Ausgleichsmaßnahmen. Die müssten nämlich teilweise außerhalb des Gebiets, etwa in Domersleben, erfolgen. Geschuldet ist dies jedoch dem Umstand, dass in der unmittelbaren Umgebung für den Umfang der geforderten Neupflanzungen gar kein Platz zur Verfügung steht. Ein zentraler Punkt der Debatte war die Zahl der Stellplätze. Diese sind zwar nicht verpflichtend vorgeschrieben, sollen aber dennoch geschaffen werden. „Wir möchten nicht, dass die Umgebung zugeparkt wird“, begründete Wolfgang Sattler. Das geplante Parkhaus soll dabei flexibel bleiben. Es sei so konzipiert, dass es bei sinkendem Bedarf schrittweise zurück gebaut werden könne. Zudem sollen fünf bis zehn Prozent der Stellplätze rollstuhlgerecht sein. 

 

Das Projekt sieht verschiedene Maßnahmen zur Barrierefreiheit vor. Neben entsprechend ausgestatteten Stellplätzen sind barrierearme Zugänge und spezielle Angebote für Menschen mit Einschränkungen geplant. Mit Pflege- und Gesundheitsangeboten sowie gemeinschaftlich nutzbaren Flächen soll das Quartier auch soziale Funktionen übernehmen. Dies würde auch für die Nachbarschaft einen Gewinn bedeuten. 

Carsten Böhlecke zeigte sich offen für weitere Festlegungen: „Wir wollen mit Qualität bauen und lassen uns da auch gern darauf festlegen.“ Auch ein städtebaulicher Vertrag sei möglich. Baubeigeordneter Jörg Rehbaum verwies auf die Bedeutung für den Stadtteil: „Viele Menschen vor Ort wollen ja auch eine Entwicklung des Stadtteils.“ 

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr empfahl am Ende der Diskussion die Vorlage mit sieben Ja-Stimmen, keiner Gegenstimme und zwei Enthaltungen dem Stadtrat zur Annahme. Im Umweltausschuss gab es vier Ja- und zwei Nein-Stimmen sowie eine Enthaltung. 

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