Nach Jahren der Untersuchungen ist die Ursache für die schlechte Wasserqualität identifiziert. Doch mit Blick auf die Badesaison wächst der Druck auf die Stadt: Schnelles Handeln ist gefragt.
Noch gut drei Wochen bis zum Start der Sommer-Badesaison. Doch ob das Strandbad am Neustädter See dann öffnen kann, ist weiter unklar. Seit Jahren wird das Gewässer im Norden Magdeburgs untersucht. Nun hat die Stadtverwaltung erstmals zusammengefasst, woher die enorme Phosphatbelastung tatsächlich kommt – und steht damit vor einem Wettlauf gegen die Zeit.
Der Neustädter See zeigt sich derzeit von seiner ruhigen Seite. Das Wasser liegt still, von Blaualgen keine Spur. Dabei hatten genau sie im Sommer 2025 gleich mehrfach zur Schließung des Strandbades geführt. Das eigentliche Problem des Sees lauert jedoch nicht an der Oberfläche – sondern unsichtbar im Untergrund.
Die Stadt Magdeburg hat die Ergebnisse mehrerer Untersuchungen aus dem Jahr 2025 nun gebündelt vorgelegt. Ein Schwerpunkt lag auf der „erweiterten Beprobung der Grundwassermessstellen einschließlich Untersuchungen auf fäkale Belastungen“.
Das Ergebnis ist eindeutig – und zugleich brisant: Der Neustädter See wird weiterhin sowohl durch eine erhebliche interne Nährstoffbelastung als auch durch relevante externe Phosphoreinträge beeinträchtigt. Diese externe Belastung liege vor allem im nordwestlichen Uferbereich sowie im Umfeld der angrenzenden Kleingartenanlagen und der Schrote.
Fachliche Bewertungen bestätigen nach Angaben der Verwaltung, dass der nordwestliche Grundwasserzustrom „als relevante externe Quelle bioverfügbaren Phosphors anzusehen ist“. Genau dort befindet sich eine Kleingartenanlage – mit teils sehr alten Klärgruben.
Badesaison in Gefahr
Dass diese Erkenntnisse nun offiziell von der Stadt kommen, sorgt nicht nur für Erleichterung. Edgar Appenrodt, stellvertretender Vorsitzender des Magdeburger Anglervereins, reagiert verhalten. „An dem Punkt waren wir vor einem Jahr schon“, sagt er. Appenrodt befürchtet, dass bewusst Zeit verstreichen gelassen werde, bis der Neustädter See seine Zulassung als Badesee verliert – so, wie es bereits beim Salbker See geschehen sei. Ähnlich kritisch äußert sich AfD-Stadtrat Ronny Kumpf. Er hakt seit Monaten immer wieder bei der Verwaltung nach. Statt klarer Aussagen gebe es aus seiner Sicht jedoch nur ausweichende Formulierungen. „Ich habe das Gefühl, man möchte auf Zeit spielen“, sagt Kumpf.
Die Gefahr, dass die Badesaison ausfällt, ist real. Im Bildungsausschuss fragte Kumpf nach den nächsten Schritten. Nach Angaben der Verwaltung sollen die Kleingärtner der drei betroffenen Vereine – insgesamt rund 300 Parzellen – angeschrieben und aufgefordert werden, ihre Kläranlagen einer Dichtigkeitsprüfung zu unterziehen. Durch undichte Kläranlagen können Phosphate ins Grundwasser gelangen. „Da reicht schon das Abwaschwasser“, so Kumpf.
Vor Ort zeigt sich jedoch: Solche Schreiben sind bisher offenbar noch nicht verschickt worden. Bei einem Besuch der Volksstimme wollten mehrere Kleingärtner nicht sprechen. Ein Gartenbesitzer äußerte sich dann aber doch.
Die Meinungen seien geteilt, sagt er. Er selbst stehe einer Überprüfung der alten Klärgruben offen gegenüber. „Es ist wichtig, dass die Ursache für die Phosphoreinträge gefunden wird“, betont er. Schließlich wolle auch er, dass seine Kinder weiterhin im Neustädter See baden können. Die Wasserqualität habe sich über Jahre deutlich verschlechtert – das müsse ein Ende haben.
Wirtschaftliche Folgen
Auch für Carsten Böhlecke ist die Situation existenziell. Der Betreiber des Strandparx Cable Island lebt vom See. Mit einem Mähboot und regelmäßiger Pflege versucht er seit Jahren, die Wasserqualität zu verbessern. Dennoch fühle er sich von der Stadtverwaltung häufig außen vorgelassen – etwa bei den regelmäßig stattfindenden Expertenrunden.
Böhlecke ärgert besonders, dass die Verwaltung immer wieder auf erhöhte Enterokokken-Werte als Hauptursache für die temporär schlechte Wasserqualität verweist.
Diese Werte hält auch Edgar Appenrodt für fragwürdig. Im vergangenen Jahr sei zunächst ein hoher Wert gemessen worden – nur drei Tage später sei er plötzlich sehr niedrig gewesen. „So schnell bauen sich Enterokokken nicht ab“, sagt der Biologe.
Für ihn ist klar: Der entscheidende Treiber für die Probleme im Neustädter See sind die Phosphoreinträge über das Grundwasser. Genau das spiegeln auch die Untersuchungsergebnisse wieder. Eine interne Sanierung des Sees – in der Fachsprache „Fällung“ genannt – würde aus Sicht aller Beteiligten keinen nachhaltigen Erfolg bringen. Appenrodt, Böhlecke und Kumpf sind sich einig: Erst müssen die externen Phosphoreinträge wirksam reduziert werden.
Zu diesem Schluss kommt inzwischen auch die Stadtverwaltung. Erst dann könne eine Sanierung auch dauerhaft wirksam sein.
Jetzt bleibt wenig Spielraum. Soll der Neustädter See auch künftig Badesee und Naherholungsgebiet bleiben, muss schnell gehandelt werden. Die Ursache ist bekannt. Nun müsse folgen, was längst überfällig sei.
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Elli (Freitag, 12 Juni 2026 20:07)
....Auch unerträglich : Nach der Badesaison " stürmt" halb Magdeburg mit ihren Hunden den Strand , koten und urinieren rein was geht. Im Sommer spielen dann die Kinder drin. Nachrichten an GESUNDHEITSAMT oder BÄDERVERWALTUNG werden systematisch ignoriert.